Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“
Der Glanz verblasst
Ganz interessant finde ich, dass sich im Moment die Zugriffe auf mein Blog vor allem deshalb erhöhen, weil einige User gezielt nach Berichten über Probleme mit dem iPhone suchen. Das Ganze fällt mit der Veröffentlichung des iPhone 4 und des neuen Betriebssystems iOS4 zusammen. Zudem mehren sich Berichte über Probleme mit dem neuen Betriebssystem auf den alten Geräten, allen voran dem iPhone 3G. Hier geht es zu einer Google-Suche zu dem Thema, eine Momentaufnahme.
Ich bekomme das Update beispielsweise gar nicht auf mein iPhone drauf - wenn man die Berichte im Netz liest, ist das wohl auch gut so. Die schlechteste Software aller Zeiten, iTunes, meldet nach etwa 10 Minuten des Ladens von iOS4, dass ich Netzwerkprobleme habe. Ehrlich gesagt will ich mir das nicht einreden lassen, schon gar nicht von iTunes bzw. Apple. Ich habe keine Netzwerkprobleme. Es funktioniert einfach nicht. Wahrscheinlich würde Steve Jobs in seiner arroganten Art sagen: Selbst Schuld, wenn Du keinen Mac sondern einen minderbemittelten PC nutzt.
Ein Bekannter, der das iPhone 3G hat, erzählte mir, dass die Geschwindigkeit des Geräts deutlich nachgelassen hat, seit er das Update durchgeführt hat. Das deckt sich mit anderen Berichten im Netz. Massen von Apps funktionieren nicht mehr. Das dürfte die entsprechenden Dienstleister freuen, die nun Folgeaufträge ihrer Kunden abarbeiten dürfen.
Noch setzt Apple Millionen seine Spielzeuge ab. Design und Kult sind massentauglich geworden. Es ist absehbar, dass die Begehrlichkeit abnehmen wird. Es wird Zeit, dass die Konkurrenz von Apple aus dem Tiefschlaf erwacht und wirklich innovative Geräte auf den Markt bringt. Offene Systeme sind gefragt. Leider spielen im Fall der Smartphones die Mobilfunknetzbetreiber auch eine wichtige Rolle in der ganzen Sache. Auch dort könnte mehr Offenheit nicht schaden.
Beraten und verkauft
Dieser Tage ist mir interessanterweise wieder die Visitenkarte eines Finanzberaters in die Finger geraten, über den ich zuletzt häufiger nachdenken musste. Ich musste darüber nachdenken, dass ich mit Unterstützung mir nahe stehender Personen damals zum Glück die richtige Entscheidung getroffen habe.
Der Kollege, damals in Düsseldorf (ich spare mir die Nennung des Instituts, da alle Finanzberater/-optimierer vom gleichen Schlage sind - Gegenstimmen?), wollte mir eine Immobilienfinanzierung auf Basis einer Lebensversicherung aufschwätzen. Beraten wäre 100% der falsche Ausdruck. Die britischen Lebensversicherungen seien sensationell. Die dürften einen viel höheren Aktienanteil im Portfolio haben, als die deutschen Institute. Hier sei alles total überreguliert, totaler Mist.
Nach einigem Zögern meinerseits, zeigte er sein wahres Gesicht, machte deutlich, wie bescheuert man doch sein müsse, wenn man diese Form der Finanzierung nicht dem herkömmlichen Annuitätendarlehen vorziehen würde. Bescheuert, dumm, ahnungslos. Wenn die Leute Dein Geld wollen und bestimmte Ziele erreichen müssen, um ihren Audi TT oder VW Touareg fianzieren zu können, werden sie zu Tieren.
Wir wissen, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Mir ist es zu müßig, nun ganz genau nachzurechnen, was geworden wäre, hätte ich mich damals falsch entschieden. Es wäre sicher nicht sehr gut um mich bestellt. Ich will gar nicht tiefer in die Details gehen. Ich könnte noch einige beleidigende Dinge sagen und sprachliche Attacken fahren. Ist mir aber zu gefährlich, Nichtbeachtung und das Warnen vor solchen typen soll genügen.
Sag niemals nie
Zugegeben: Ich bin nicht der größter Shopper. Ich halte mich zwar ganz gern in und zwischen Geschäften auf - und ja: das gilt auch für Modeläden -, gebe aber nicht so gern Geld aus.
Insofern ist vielleicht ein Shoppingcenter der falsche Aufenthaltsort für mich. Aus verschiedenen Gründen habe ich mich am Samstag aber nun doch mit unseren beiden Jungs ins Auto geschwungen. Ziel: Die Mall Loop5 in Weiterstadt bei Darmstadt. Das Shoppingcenter hat im Herbst eröffnet - und ich war bislang noch nicht dort. Mein Fazit: Die negativen Eindrücke überwiegen.
Das hängt vor allem mit den mannigfaltigen Fehlplanungen zusammen, die sich ganz massiv in der Anlage des riesigen Parkhauses mit 3000 Stellplätzen manifestieren. Die Einfahrten sind zweispurig. Allerdings sind die Spuren so eng, dass unerfahrene 5-er BMW-Fahrer, von denen es offensichtlich viele gibt, grundsätzlich nicht die Spur halten können. So beginnt das Chaos schon vor der eigentlichen Parkplatzsuche. Und eigentlich beginnt es noch früher. Die Stadt Weiterstadt hat es nicht geschafft, eine sinnhafte Anbindung der Mall in dem Gewerbegebiet hin zu bekommen.
Letzteres kombiniert mit der Unfähigkeit der Parkhausplaner führt dazu, dass man einen echten Loop machen muss, wenn man durch das Parkhaus hindurch fährt und in einer Reihe keinen Parkplätz mehr findet. Über die gesamte Länge gibt es keine Möglichkeit einen U-Turn zu machen, um die andere Parkreihe zu erreichen. Ganz am Ende gibt es eine schlecht kenntlich gemachte Möglichkeit. Wer diese verpasst, wird aus dem Parkhaus wieder ausgespuckt. Sollte der Kunde hartnäckig sein und nochmal zum Loop5 zurück wollen, muss er eine Strecke von rund 2 Kilometern in Kauf nehmen, um wieder ins Parkhaus einfahren zu können. Jeder Simcity-Planer würde ähnliches von der KI des Computers um die Ohren gehauen bekommen.
Dann sind die Parkebenen nicht mit den Zugängen zur Mall synchronisiert. Es gibt für die sieben oder acht Parkebenen nur drei Übergänge in die Mall. Wir haben auf der Ebene -1+ geparkt. Absurd. Im Treppenhaus gibt keine Hinweise auf die Übergänge in die Mall, in den viel zu kleinen Aufzügen schon. Verzweifelte Blicke habe ich gesehen. Wildes Gestikulieren. Unbeantwortete Fragen. Wir haben unser Auto am Ende aber wiedergefunden - mit ein bisschen Konzentration gelingt es dann doch.
Nach einem vogelwilden Auftakt, betritt man die Mall und lässt sich vom Thema Luftfahrt durchaus beeindrucken. Die Elemente wie von der Decke hängende Propeller und die Ruhezonen in Form von Flugzeugkabinen sind gut integriert und echte Hingucker, auch für die Kinder. Der Leerstand einiger Ladengeschäfte wird gut kaschiert - dennoch ist er nicht zu übersehen. Insgesamt gibt es natürlich genügend Einkaufsmöglichkeiten (insgesamt 175 Ladenlokale). Auffällig war aber, dass die höchste Frequenz auf der Fressmeile herrschte, obwohl die Mittagszeit schon deutlich vorbei war.
Die Läden verfügen bis auf wenige Ausnahmen über kein Tageslicht. Der Aufenthalt in den Geschäften und im Center stresst tendenziell. Das mag an anderen Tagen anders sein. Ich habe ein Gespräch zwischen einer Kassiererin und einer Kundin belauscht, in dem die Kundin anmerkt, dass aber wenig los sei. Darauf sagte die Kassiererin, dass die Kundin einmal an einem Dienstagvormittag kommen solle. Dann könne man wirklich in Ruhe einkaufen, weil dann niemand in der Mall sei.
Neben der Architektur gefällt auch die Zusammenstellung der Stores. Hier finden sich viele Formate, die es so weit und breit und auch insgesamt nicht sehr oft gibt. Klar überwiegen Filialisten. Aber Stores von G-Star, Bench, Geox und anderen gibt es in Darmstadt eben nicht. Einige lokale Anbieter wie Dielmann (allerdings ebenfalls ein regionaler Filialist), Spielwaren Faix oder auch der Denim-Spezialist Myjeans ergänzen pflichtgemäß das Ganze. Supermärkte, ein Saturn und ein P & C sorgen für die Basisarbeit.
Die Querspangen, die die beiden Hauptteile der Mall miteinander verbinden, waren am schlechtesten frequentiert. Das interessante Kinder-Multimarken-Format “Son’s & Daughter’s” (ja, die Apostrophe stehen wirklich im Logo) ist unter dem Dach auf verlorenem Posten. Der gut sortierte Bio-Supermarkt im Basement ebenso. Dafür pilgert das falsche Publikum in das Shoppingcenter.
Alles zusammen genommen überzeugt mich die Mall nicht. Fast wäre ich geneigt zu sagen, dass ich dorthin sicher nicht zurückkehren werde. Man fühlt sich denn doch nicht richtig wohl im Loop5. Aber: Sag niemals nie - und vielleicht gehöre ich eben einfach nicht zur Zielgruppe.
PS: Zum Fotografieren taugt sie ganz gut.
Was ist los, Grüne Wiese?
Das Loop5, das Shoppingcenter in Weiterstadt, hat die ersten Monate hinter sich - und ist in der Realität angekommen. Der portugiesische Shoppingcenterentwickler und -betreiber Sonae Sierra gibt sich zwar Mühe, den Erfolg des neuen Hauses hervorzuheben, allerdings gelingt es ihm nur schwer.
Unter der Woche ist wohl Totentanz angesagt. Die Öffnungszeiten wurden beschnitten - eine Öffnung der Geschäfte bis 22 Uhr ist vom Tisch (21 Uhr ist meist Schluss, H&M macht gar um 20 Uhr Feierabend). Die Grüne Wiese rund um Darmstadt hat dann doch mehr Probleme, als zunächst von mir gedacht. Die Lage an der Pendlerautobahn A5 ist aus meiner Sicht herausragend, um die Pendler zu einem Einkehrschwung zu verführen. Offensichtlich wollen die Leute doch lieber schnell zur Arbeit und vor allem wieder nach Hause kommen, ohne Konsum an einer Zwischenstation.
Im Weihnachtsgeschäft war rund um die Anschlussstelle Weiterstadt der Teufel los, auch an den Wochenenden wird die Mall weiter eine gewisse Anziehungskraft haben. Dennoch fragt man sich, wie der Einzelhandel mittelfristig an solchen Standorten froh werden kann.
Auch ohne Winterschlussverkauf sind die Innenstädte schon voll von roten Preisen gewesen - bereits vor Weihnachten. Wenn man früher die Aufkleber mit dem WSV-Schriftzug gesetzlich vorgeschrieben nur von Ende Januar an für zwei Wochen in den Schaufenstern prangen sah, sind es heute Sale-Pickerl, die das Stadtbild und die Shoppingcenter prägen. Der Preis ist und bleibt das Verkaufsargument Nummer eins.
Zurück zum Loop5 und die Auswirkungen des Centers auf Darmstadt. Ein Gedankenspiel: Dass Kaufkraft aus der Darmstädter Innenstadt abgezogen wird ist klar (dazu tragen auch die horrenden Parkhausgebühren [Q-Park sei Dank] in der City bei). Wenn nun in drei oder fünf Jahren deutlich wird, dass das Loop5 keinen nachhaltigen Erfolg hat und bis dahin Einzelhändler in der Darmstädter Innenstadt ihre Läden geschlossen haben, dann haben wir es mit zwei, eigentlich drei Arten von Losern zu tun. 1. Die Einzelhändler in der Stadt, 2. Die Einzelhändler in der Mall und 3. Die Kunden, die nun im stationären Handel keine wirkliche Vielfalt mehr vorfinden. Gewinner ist der Entwickler eines solchen Projekts. Die Mietverträge laufen über zehn Jahre. Allerdings ist zu diesem Zeitpunkt das Investment bereits mehrfach verzinst. In der Regel hat sich, wenn man Experten glauben darf, deren Engagement bereits nach fünf Jahren gelohnt.
Ich habe hier ganz klar die regionale Brille auf. Mich würde einmal interessieren, was für Erfahrungen an anderen Standorten gemacht wurden. Vielleicht liest ja auch ein Händler aus dem Loop5 diese Zeilen. Wie sieht es denn dort im Inneren aus? Über Kommentare würde ich mich freuen.
Produktivität erhöhen, bitte!
Ich habe da noch etwas nachzuholen, was mich eigentlich schon vor Weihnachten beschäftigt hat. Vor wenigen Wochen wurde mal wieder über das Thema Ladenöffnungszeiten diskutiert, im Zusammenhang mit den Sonntagsöffnungszeiten des Einzelhandels in Berlin. Ein Großteil der Unternehmen möchte die Regelungen weiter liberalisieren.
Nun lag Weihnachten diesmal so, dass die Massenhysterie, getrieben durch die Angst, an den Feiertagen vielleicht nichts mehr zu beißen im Haus zu haben, besonders groß war. Prognosen im Einzelhandel sind nicht ganz leicht zu erstellen. Das die Nachfrage allerdings in den zwei, drei Tagen vor Weihnachten besonders groß sein dürfte, musste man aber wissen, auch ohne Wahrsager und Computerprogramme.
Im Nachbarort gibt es einen gut sortierten und eigentlich auch gut geführten Edeka-Markt. Ich war am 22. Dezember am späten Nachmittag dort einkaufen und hatte rund 15 Positionen auf meiner Liste. Die Regale waren an den verdächtigen Stellen ordentlich geplündert. Drei der 15 Dinge ich kaufen wollte waren nicht im Regal.
Probleme in der Nachversorgung, entweder von der Zentrale aus oder innerhalb der Filiale. Das geht irgendwie nicht. Eine Hochrechnung meinerseits geht von etwa 2 bis 3% Umsatz aus, der im Weihnachtsgeschäft nicht realisiert werden konnte - in meinem persönlichen Fall lag der Wert darüber. Da liegen massig Potenziale. Der Einzelhandel muss diese künftig realisieren.
Interessant ist, dass man insgesamt lieber teure Arbeit an Wochenenden und in den Abendstunden bezahlen möchte, als intelligente Systeme anzuschaffen, die dafür sorgen, das die Produktivität in den vorhandenen Öffnungszeiten erhöht wird.
Erwachen in Rüsselsheim
Es ist nicht ganz so eingetroffen, wie ich es vermutet hatte - aber eigentlich doch ganz ähnlich. Der Opel-Magna-Deal ist geplatzt. GM hat keine Lust mehr, seine Europa-Tochter zu verkaufen. Jetzt ist die Enttäuschung groß. Alles schimpft auf die bösen Amis. Die Politik, allen voran Angela Merkel, steht brüskiert da.
Es mag Zufall sein, dass GM die Entscheidung so lange herausgezögert hat. Allein mir fehlt der Glaube. Einige Wochen nach der Bundestagswahl ging die Bombe nun hoch. Bitteres Erwachen in Rüsselsheim.
Ich frage mich, ob die Politik wirklich geglaubt hat, dass sie etwas mitzuentscheiden hat, was schließlich das Thema eines Konzerns ist. Auch das glaube ich nicht. Der Großteil der Opel-Belegschaft und der Bürger hat es vielleicht geglaubt - und wurde nun herb enttäuscht.
Jetzt wird weiter gewettert: “Wir geben jetzt natürlich auch kein Geld mehr für die Sanierung her.” Meines Wissens hat die EU zur Auflage gemacht, nicht nur einen Anbieter im Fall der Übernahmen finanziell zu unterstützen. Ich denke, das Geld wird bei Bedarf fließen müssen.
Die ganze emotionale Diskussion führt irgendwie nicht weiter. Es gibt in der Automobilbranche Überkapazitäten. Auch Opel hat Überkapazitäten - man spricht von 30%. Eine klare Umstrukturierung muss Stellenabbau und Standortschließungen in Betracht ziehen - sonst muss der Steuerzahler dem aus dem Geld geworfenen Fenster noch mehr hinterher werfen.
Unternehmen sind leider keine Wohlfahrtsinstitute. Jeder, auch die Opel-Mitarbeiter, genießt die Vorzüge des Kapitalismus und des Wirtschaftsliberalismus - dann muss man eben auch die Kröten schlucken.
Quelle am Ende
Eine Erkenntnis bleibt: Die Millionen der Steuerzahler hätte man lieber in die Bildung - anstatt der maroden Quelle den Druck des wohl letzten dicken Katalogs zu finanzieren. Das Traditionsunternehmen wird abgewickelt. Das hat der Insolvenzverwalter von Arcandor gestern mitgeteilt.
Der Anfang vom Ende war der Zusammenschluss von Karstadt und Quelle. Ein wichtigen Sargnagel in die Ruhestätten der Handels-Titanen Quelle und Karstadt hat Thomas Middelhoff mit seiner Unternehmensführung eingeschlagen. Jetzt heißt es für Tausende Abschied nehmen von ihrem sinnstiftenden Arbeitgeber. Die Kunden müssen sich andere Versender aussuchen - sollte tatsächlich Neckermann.de nun noch eine Daseins-Berechtigung haben?
Quelle wird nun in irgendeiner Form zerteilt. Die Leichenfledderer dürften schon warten - so günstig wir jetzt sind einzelne Teile sonst nicht zu haben. Zum einen sind da die Marken wie Universum und Privileg, die es als Eigenmarken des Versenders zu einem beachtlichen Bekanntheitsgrad gebracht haben. Dann steht in Leipzig ein turbomodernes Logistikzentrum für die Abwicklung des Versandhandelsgeschäft. Das müsste doch auch auf Interesse stoßen.
Quelle wird es so also nicht mehr geben. Bei manchen Unternehmen kann man sich irgendwie gar nicht vorstellen, dass sie so einfach von der Bildfläche verschwinden. Nur: Quelle bleibt da wahrscheinlich nicht der einzige Name. Auch in anderen Bereichen wird es - wie man so schön euphemistisch sagt - zu einer Marktbereinigung kommen.
Grüne Wiese vs. City
Vor den Toren Darmstadts kündigt sich schon seit Jahren Großes an. In Weiterstadt ist ein Shopping-Center riesigen Ausmaßes entstanden. Über 50.000 m² vermietbare Fläche, mehr als 170 Ladenlokale. Die Lage ist perfekt. Das Loop5 liegt direkt an der A5. Die Autobahn dort ist vierspurig - in jede Richtung. Das zeigt, wie hoch das Verkehrsaufkommen dort ist. Die A5 ist an dieser Stelle eine Pendlerpiste. Die Geschäfte im Loop5 habe täglich bis 22 Uhr geöffnet - da wird mancher eine Schleife drehen und seine Einkäufe abends dort erledigen, für die man sonst einen Samstagvormittag opfern muss.
Leidtragende werden die Einzelhändler in Darmstadts City sein. Während die Darmstädter, wenn sich nicht gerade Frankfurt-Pendler sind, noch in die City zum Einkaufen gehen werden, wird das Loop5 Kaufkraft aus dem Umland abschöpfen. Schließlich gibt es dort - genauso wie in der Noch-Einkaufsstadt Darmstadt - alles, was das Herz begehrt. In Zeiten knapperer Kassen spielt es durchaus eine Rolle, ob man für die angefangene 3/4-Stunde in einem Parkhaus 1,50 Euro berappen muss (wie in der City) oder 0 Euro (wie am Loop5). Ein Hoffnungsschimmer: Die Verkehrssituation direkt am Loop5 wird extrem chaotisch sein, weil man zu wenig Platz hat, um die Autos vernünftig an den Einkaufstempel zu führen.
Parkhaus-Betreiber Q-Park melkt die Kuh solange bis sie ausgedörrt auf der Weide - oder besser der Grünen Wiese liegt. Die Stadtmarketing-Gesellschaft hat schlecht verhandelt, der Einzelhandel in der Stadt wird das schon merken. Schneller als ihm lieb sein dürfte.
In den vergangenen Jahren haben sich die Häuser in der Stadt nochmals herausgeputzt, die Verantwortlichen haben ordentlich investiert. Man wollte ein Zeichen gegen das Loop5 setzen. Ist zwar alles ganz nett geworden, aber rechnen werden sich die Investitionen wohl nicht mehr.
Die Kunden können durchaus von dem größeren Angebot profitieren. Allerdings findet sich in Weiterstadt auch viel, was es auch schon in der Innenstadt gibt. Filialisten werden so vielleicht den Rückzug aus der Stadt antreten - wenn im Loop5 sowieso alles besser funktioniert.
Profitieren sollte auch die Lokalzeitung am Ort. Endlich werden die P&C-Beilagen auch über das Darmstädter Echo gestreut. Druckaufträge vom Center-Management hat man sicher auch schon in der Tasche. Die Abhängigkeit der Zeitung vom Einzelhandel wird so aber noch größer. Wirklich kritische Berichterstattung dürfte ausbleiben. Die Zeiten für die Medienbranche sind zu hart, als dass man sich für Qualitätsjournalismus das Anzeigengeschäft kaputt machen würde.
In Weiterstadt, einer 25000-Einwohner-Stadt, über die viele sagen, dort möchten sie nicht tot über dem Zaun hängen, freut man sich. Das ist verständlich. Die Gewerbesteuer fließt dort ganz erklecklich. Einkaufsmöglichkeiten gibt es dort auf der Grünen Wiese reichlich. Media Markt, Segmüller, Metro uvm. haben sich schon die perfekte Verkehrssituation zu Nutze gemacht. Jetzt also auch das Loop5.
Ich sehe das Ganze nicht moralisch. Es ist der Lauf der Dinge. Tatsächlich wurde aus Sicht Darmstadts vieles falsch gemacht. Jetzt kann man nur zusehen, was aus der einst lebendigen Einkaufsstadt wird.
Bahn-Qualen
Im Moment muss man das Gefühl bekommen, dass die Bahn die Pendler fertig machen will. Sie kämpft an zwei Fronten.
Die zugegeben oftmals auch mutwillig traktierten und damit defekten Toiletten lässt sie nun wohl gar nicht reparieren. Das erkennt man daran, dass sie die temporären gelben Zettelchen mit dem Hinweis, die Toilette sei im Moment außer Betrieb, gegen selbstklebende und deutlich besser gestaltete Aufkleber ausgetauscht hat. Die Ankündigung, man sei um eine rasche Reparatur bemüht, klingt nicht wirklich ehrlich.
Zudem werden die Züge immer voller. Im Moment ist natürlich auch urlaubsfreie Zeit. Aber die Platzverhältnisse werden auf meiner Strecke immer dramatischer - an anderen Orten der Republik ist es sogar noch schlimmer. Es fahren nicht immer mehr Leute Zug, dafür kommen immer weniger Waggons zum Einsatz.
Also: Weitere Preiserhöhungen bei sinkendem Service - irgendwann muss sich das doch sehr gut rechnen. Dann ab an die Börse.
Das Tal ist tief, breit und lang
Vor einigen Tagen habe ich mit dem Vorstandschef eines Modefilialisten in der Schweiz gesprochen. Es ging natürlich um die Wirtschaftskrise. Er war gut gelaunt und ist froh darüber, dass sein Unternehmen im Branchendurchschnitt besser dasteht als andere. Wir haben auch die Antwort auf die große Frage gesucht, wann es denn wohl wieder aufwärts gehen mag. Er sagte: “Frühestens in 18 Monaten. Das ist aber meine persönliche Meinung.”
Ich teile diese Einschätzung, vorausgesetzt es passieren nicht noch irgendwelche Katastrophen. Vor einigen Monaten gingen realistische Prognosen davon aus, dass es im Herbst 2010 so weit sein könnte. Die Entwicklung in den USA ziehen wir hier etwa ebenfalls 18 Monate später nach. Die Frage ist dabei: Ist in den USA die Talsohle schon durchschritten. Wahrscheinlich nicht.
Es wird zwar immer wieder im Einzelhandel beteuert, dass die Krise beim Konsum noch nicht angekommen ist. Irgendwie traut man dem Braten aber nicht. Zudem: Vielleicht wäre es besser, wenn man sie schon spüren würde, dann wäre vielleicht auch der Aufschwung näher.
Die Lufthansa kam gestern aus der Deckung und hat deutlich gemacht, dass man jetzt die Kosten ins Visier nehmen müsse. Flugzeuge werden stillgelegt, es werden keine neuen gekauft, die Mitarbeiter müssen sich auf Einschnitte einstellen. Diese Meldungen werden nicht abreißen in den kommenden Monaten. Leider.
Interessantes gibt es auch bei Arcandor. Denen ist der Generalbevollmächtigte Piepenburg abhanden gekommen. Er sah bei Sal. Oppenheim keine Bereitschaft, ins Risiko zu gehen. Da hat er jetzt auch keine Lust mehr, den Konzern auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung vorzubereiten. Das ist ein schlechtes Signal aus und für Essen.
Alles zusammengenommen: Das Tal ist tief, breit und lang.



